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Gedankenstopp oder Cat in a box

  • Autorenbild: Katrin Reichwald
    Katrin Reichwald
  • 13. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Viele Menschen kennen sie: Gedankenspiralen, die den Schlaf rauben. Wie du sie in den Griff bekommen kannst, obwohl bisher nichts geholfen hat? Das erfährst du in diesem Beitrag. Und, warum Stoppschild nicht gleich Stoppschild ist.


Wenn die Gedanken nicht still stehen wollen: Setz eine Katze drauf. Foto: Katrin Reichwald
Wenn die Gedanken nicht still stehen wollen: Setz eine Katze drauf. Foto: Katrin Reichwald

Gedankenkreisen, Grübeleien, Reizüberflutung – manchmal fühlt sich der eigene Kopf an, als würde ein Wirbelsturm darin toben. Und du? Sitzt mittendrin, versuchst nicht komplett mitgerissen zu werden und hoffst auf einen windstillen Moment, in dem du aus dem Auge des Sturms entwischen kannst. Doch dieser Moment scheint einfach nicht zu kommen.


Du visualisierst ein Stoppschild, leuchtend rot. Vielleicht streckst du auch die Hand dazu aus und sagst laut und bestimmt „Stopp“. Dann lenkst du deine Gedanken auf etwas anderes, etwas im Hier und Jetzt. Du könntest eine Achtsamkeitsübung machen oder dich einer konkreten Aufgabe widmen. Soweit die Theorie der Technik „Gedankenstopp“ aus der kognitiven Verhaltenstherapie. In der Praxis ist das allerdings gar nicht so einfach.


Wenn das Stoppschild nicht weiterhilft


Du visualisierst und visualisierst. Dein Stoppschild bekommt Neonfarben und du lässt es blinken. Du denkst Stopp, du sagst Stopp. Stopp Stopp Stopp. Die Handbewegung hast du schon aufgegeben. Und irgendwann kommst du dir ziemlich doof vor. Denn die Gedanken sind hartnäckig und drängen sich immer wieder auf, teils mit noch größerer Wucht. „Was für ein Unsinn“, fluchst du innerlich. Das, was dich umtreibt, fühlt sich einfach zu schwer an. Was soll da so ein imaginatives Stoppschild schon ausrichten können?


Ganz ehrlich? Nicht unbedingt viel. Zumindest nicht auf Anhieb. Damit ein Gedankenstopp funktioniert, heißt es üben. Das ist im Grund ewie mit einem Instrument. Wenn ich mich an ein Klavier setze und noch nie gespielt habe, brauche ich Zeit, Geduld und stetige Wiederholung, bis mir ein Stück flüssig von der Hand geht. Und wenn ich eigentlich nie Klavier spielen wollte, ist es noch mühsamer.


Genau hier ist eine Stellschraube, an der sich drehen lässt. Vielleicht ist das Stoppschild kein passendes Symbol für dich, egal wie sehr es blinkt und leuchtet. Ich selbst zum Beispiel kann nichts damit anfangen. Ich brauche etwas Stärkeres, Unbezwingbares. Etwas, gegen das Gedankenspiralen keine Chance haben. beziehungsweise etwas, das mir keine Chance lässt an meine Gedankenspiralen heranzukommen. Etwas, das ist wie ein flauschiger Katzenhintern.


Die Katze in der Schachtel


Wer schon einmal erlebt hat, wie sich eine Katze verhält, wenn man an etwas Wichtigem arbeitet, eine Deadline einhalten muss, für eine Prüfung lernt oder einen Videocall macht (um nur ein paar Beispiele zu nennen), der weiß: Eine Katze ist der Endgegner. Sie setzt sich drauf. Auf deine Unterlagen. Auf deinen Laptop. Auf deine Stifte. Auf deine Brille. Auf alles, was du brauchst, um weiterzumachen. Und wenn eine Katze sich einmal hingesetzt hat, bringst du sie ganz sicher nicht mehr zum Aufstehen. Beziehungsweise selbst wenn, ist es kein dauerhafter Erfolg, weil sie sich umgehend wieder hinsetzt. Etwas, auf dem eine Katze sitzt, ist nicht mehr verfügbar.


Wie lässt sich dieses Wissen nun für den Gedankenstopp nutzen? Zuerst imaginiere ich eine Schachtel. Die Schachtel hat perfekte Katzenmaße. Dann stelle ich mir vor, wie ich meine Gedanken in die Schachtel lege. Und noch während ich das tue, Stapft ein Pfötchen in die Schachtel, dann noch eins und weitere zwei und - plumps - sitzt sie da, die Katze. Sie ist groß, schwer und verdammt flauschig.


Mit Fantasie und Kreativität zum individuellen Stopp


Ein wenig erinnert mich die Katze an ein Kastenbrot, wie sie da so hockt und die Schachtel komplett ausfüllt. Zufrieden sieht sie aus, und ziemlich müde. Ich beobachte, wie ihre Augen zufallen, sie blinzelt noch ein, zweimal, ihr Köpfchen kippt nach vorne. Dann höre ich sie leise schnarchen.


Irgendwo auf diesem Weg habe ich vergessen, was mich zuvor so beschäftigt hat. Und bei dem Gedanken an die dicke, schlafende Katze, die ihren Hintern auf meine Sorgen bettet, muss ich lachen. Natürlich weiß ich, dass sie da nicht für immer sitzen wird. Dass bestimmte Themen trotzdem da sind. Mit einigen davon werde ich mich auseinandersetzen müssen. Aber nicht jetzt, nicht heute und vor allem nicht mit allen auf einmal.


Was ich mit all dem sagen will: Je individueller und persönlicher, desto wirksamer ist ein Gedankenstopp. Wenn du magst, setze dich doch in einer ruhigen Minute einfach mal hin und überlege, ob es für dich etwas gibt, das du mit einem Stopp verbindest. Oder das für dich aufräumen bedeutet, wegpacken, einordnen. Was auch immer sich stimmig für dich anfühlt. Und dann lass die Geschichte dazu wachsen. Wenn es dir hilft, gestalte deine Lösung ganz konkret. Zeichne sie zum Beispiel, oder modelliere sie aus Ton. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.






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